Christstollen – Aus Oma’s Rezeptebuch

Bild zeigt: Christstollen

Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn – aber jedenfalls hat der Christstollen lange Tradition und gehört in Deutschland zur Weihnachtszeit wie Weihnachtsmärkte und Christbaum. Der Stollen besteht typischerweise aus einem Hefeteig mit Butter sowie einem reichlichen Anteil aus Rosinen, Orangeat, Zitronat und allerlei Gewürzen. Jedoch sollte der Stollen spätestens im November gebacken werden, damit man ihn bei einem Adventskaffee genießen kann.

Der Weihnachtsklassiker aus Dresden

Der Christstollen ist das Weihnachtsgebäck schlechthin. Ganz egal ob Marzipanstollen, Quarkstollen oder Mohnstollen, keiner dieser Leckereien darf in der Weihnachtszeit fehlen. Der wohl berühmteste Stollen ist der Dresdner Christstollen.

Jedoch ist aller Anfang schwer: Seinen Ursprung reicht bis ins Mittelalter zurück. Im 14. Jahrhundert wurde das süße Gebäck das erste Mal urkundlich erwähnt. Zur damaligen Zeit war das jetzt so beliebte Weihnachtsgebäck wohl eher ein Fastengebäck, es bestand lediglich aus Mehl, Wasser, Rübenöl und Hefe. Butter, Milch und ähnliche Zutaten waren in Zeiten der Vorherrschaft der katholischen Kirche nicht erlaubt. Weil der Christstollen so neutral und langweilig schmeckte, schrieben 1450 der Kurfürst Ernst von Sachsen und sein Bruder Albrecht einen Brief an den damaligen Papst Innozenz VIII. Sie baten ihn, das damalige Butter-Verbot aufzuheben. Doch bis dieser Antrag angenommen wurde, vergingen noch etliche Jahre. 1491 wurde doch noch der Bitte stattgegeben, aber mit einer Bedingung: Sie mussten als Buße „Buttergeld“ zahlen, womit der Kirchenbau unterstützt werden sollte. Gesagt getan! Das Bußgeld wurde bezahlt und von nun an durfte Butter an Stelle von Öl zum Backen verwendet werden.

Ab den 16. Jahrhundert wurde der Dresdner Christstollen auf dem Dresdner Striezelmarkt für jedermann angeboten. Seitdem wird der Stollen auch als „Striezel“ bezeichnet. Über die Jahre hinweg entwickelte sich der Christstollen zum „königlichen Stollen“. Ab 1560 wurden den jeweiligen Königen jedes Jahr ein bis zwei Christstollen zum Weihnachtsfest geschenkt. Jedes Jahr wurde ein 36 Pfund schwerer Stollen von acht Meistern sowie acht Gesellen durch Dresden bis zum Schloss getragen. Der berühmte sächsische Kurfürst August der Starke war damals ein wahrer Stollenliebhaben. Dieser ließ sich anlässlich des Lustlagers von Zeithain 1730 einen Riesenstollen backen. Dieser Christstollen wurde von etwa 100 Bäckermeistern und Gesellen mit Unmengen an Zutaten gebacken. Dazu zählten: 3600 Eier, 326 Kannen Milch sowie eine Tonne Mehl und am Ende hatte der Stollen ein Gewicht von 1,8 Tonnen.

Die Tradition des Riesenstollens wird bis heute weiter geführt. Jeden Sonnabend vor dem 2. Adventsonntag findet ein Stollenfest statt, bei dem ein Riesenstollen zu Ehren Kurfürst August des Starken gebacken wird.

Bild zeigt: Christstollen

Zutaten für den Christstollen (ca. 1,2 kg) 30g Hefe, 375g Mehl (405) 65g Milch, 280g Butter, 150g Zucker, 3g Salz, 1 kleine Zitrone (unbehandelt die Schale), 225g Rosinen, 40g Mandeln geschält und gestiftelt, 30g Orangeat, 30g Zitronat, 45g Rum, 2 Pck. Vanillezucker, Puderzucker zum Bestäuben

Zubereitung: Die Zutaten werden am Vorabend ins warme gebracht, damit sie alle die gleiche Temperatur bekommen. Früchte, Mandeln und die geriebene Zitronenschale in eine Schüssel geben, den Rum darüber gießen, vermischen, gut abdecken.

Am nächsten Tag die Hefe in eine große Schüssel bröseln, etwas lauwarme Milch (nicht über 30°C) und etwas Zucker untermischen, mit Mehl bestäuben, ca. 30 Minuten abgedeckt gehen lassen.

Inzwischen das Mehl auf die Arbeitsfläche sieben, 190g Butter in Flocken darüber geben, außerdem 60g Zucker und das Salz.

Die aufgegangene Hefe über die Mehlmischung geben. Zunächst mit einem großen Messer alles bröselig hacken, dann mindestens 20 Minuten allesdurchkneten, dabei die lauwarme Milch nach und nach zugeben. Der Teig muss sein speckiges Aussehen verloren haben und darf nicht mehr kleben. Nun werden die Früchte möglichst kurz untergeknetet. Dazu wird der Teig zunächst ein großer Fladen, dann werden die eingeweichten Früchte darauf verteilt, anschließend drückt man mehr als man knetet. Nun den Teig zur Kugel formen und 30 Minuten lang zugedeckt gehen lassen.

Den Teig für den Christstollen zu einem länglichen Laib formen. Mit der Handkante längs eine starke Rille eindrücken, so dass eine Seite ca. doppelt so breit ist, wie die andere. Die große Hälfte über die kleine klappen, den Christstollen nochmals in Form bringen. Da die Stollen beim Backen immer in die Breite laufen, formt man die Stollen zu hohe Laibe, so dass diese vor dem Backen höher als breit sind.

Backbleche zunächst mit Alufolie, dann mit Backpapier belegen. Stollen darauflegen und zugedeckt weitere 30 Minuten gehen lassen. Backofen auf° C (Ober- / Unterhitze) vorheizen.

Stollen in den Ofen schieben. Nach 15 Minuten Backzeit die Temperatur auf 190°C herunterschalten. Die Backzeit für den Christstollen beträgt bei 1,2kg Stollen ca. 65 Minuten, bei 600g Stollen ca. 50 Minuten. Regelmäßig in den Backofen gucken und den Stollen, sobald er braun wird, gut mit Alufolie abdecken. Kurz vor Ende der Backzeit die übrige Butter zum Schmelzen bringen und den restlichen Zucker mit dem Vanillezucker vermischen.

Christstollen sofort nach dem Backen mit flüssiger Butter bestreichen. Vollständig auskühlen lassen. Dann nochmals mit heißer Butter einpinseln. Anschließend sofort rundum mit der Zuckermischung bestreuen, dann von allen Seiten dick mit Puderzucker bestäuben. Dicht in Alufolie verpacken und an einem kühlen Ort 3-6 Wochen reifen lassen. Der Stollen hält dann mehrere Monate, da er durch das mehrmalige Einpinseln versiegelt wurde.

Tipp: Die an der Teigoberfläche befindlichen Rosinen mit einem stumpfen Löffelstiel in den Teig befördern und Löcher wieder verschließen. Danach den Stollen nochmals nachformen. Zweck: Keine einzige verbrannte Rosine. Die sich sonst während des Backens aufblähen, schwarz und bitter werden.

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